halt durch steffi

 

back                    see more

Der einzige Fortsetzunungsroman, der jemals in einer Monatszeitschrift (Titanic) erschien, wurde ein Jahr später bei Haffmans gedruckt. Leseprobe:

Halt durch, Steffi!

„Du willst – heiraten?“ Fassungslos blickte Steffi ihren Vater an. Tränen stiegen in ihre Augen, „aber die Mutti -“
„Die Mutti, die Mutti. Immerzu heißt es ‚die Mutti!’“, seufzte er und rang seine Hände, „Mutti hab ich liebgehabt, das weißt Du. Aber seit zwei Jahren ist das anders geworden – Mutti ist tot, tot, tot!“
„Du lügst! Jede Nacht steht sie an meinem Bett und -“
„Steffi! Das Leben muss weitergehen, was auch passiert! Morgen kommt Ursel und ich möchte, dass Du ihr eine Chance gibst. Hab ich mich klar ausgedrückt?“
„Ja, Papi“, sagte Steffi leise.
„Und keine Märchen mehr von Geistern und weißen Frauen, verstanden?“
„Keine Märchen mehr“, wiederholte sie bedrückt.
Papi schmunzelte. „Marsch ab in die Schule!“
Dann lehnte er sich zurück und spielte gedankenverloren mit einem dunkelblauen Stricksschlips. 14 Jahre war seine Tochter alt, ‚14 Jahre und kein bisschen weise’, dachte er stirnrunzelnd. ‚Seit Mutti Tod hat sich vieles verändert; es gibt Nächte, in denen ich stundenlang wach liege und ihren Namen rufe: Mutti!’
Oft dachte er an sie, wenn er mit dünnen, papiernen Plänen auf den Flachdächern des neuen Frankfurt herumkletterte, die Dachpappen zurecht zog und den Polier anwies, die Mischmaschine anzuwerfen und den Mörtel einzufüllen; aber auch diese Sekunden waren in der letzten Zeit seltener geworden. Das Schicksal hatte ihn zu Ursel, einer Buchhalterin, getrieben, und damit hatten die Probleme angefangen.
*
„Papi? Kommst Du mal an mein Bett?“
Nachdenklich trat er aus dem Flur, und nur die Glut seiner Tabakspfeife beleuchtete die Bilder und die weißen, schleiflackierten Klappmöbel voller Kissen: Steffis Reich der Mädchenträume.
„Glaubst Du, dass Mutti uns jetzt sehen kann?“
„Sicher kann sie das. Wo sie jetzt ist, gibt’s doch bestimmt ein Glasdach.“
Traurig nahm Papi Tochter einen plüschernen Pumuckl und drückte den freundlichen Puppenkopf fest an ihren Leib. „Da ist noch etwas, Papi. Ich… ich hab nicht aufgepasst. Und bei einer Party ist es dann passiert. Papi, ich hab seit zwei Monaten meine Akne nicht mehr gekriegt.“
„Du wirst eben alt“, sagte er leise, „ehe Du Dich versiehst, hast Du mich zum Großvater gemacht und gehst fort.“

top

www.Achim-Szymanski.de Impressum